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Weihe der Innungslade der Tischler-Innung Kreis Görlitz am 09. November 2015

Unsere Lade wurde durch den ältesten Anwesenden – unserem langjährigen Innungsmitglied Tischlermeister Hans-Christoph Schmidt aus Nieder Seifersdorf, vom Auszubildenden Dominik Wessel von unserem Innungsmitglied Tischlerei Briesowsky Löbau und durch unseren Obermeister Friedrich Berger hereingetragen, um die Verbindung zwischen dem Alter und somit der Erfahrung und der Jugend und damit dem

Aufstrebenden zu zeigen – aber auch, wie wichtig Traditionen sind und dass diese von Generation zu Generation weitergegeben werden müssen, damit sie lebendig bleiben.


In den Innungen werden die Traditionen des Handwerks gepflegt.
Innungsladen sind seit dem 12. Jahrhundert als Aufbewahrungsbehälter für das Einschreibebuch der Lehrlinge und die Insignien der jeweiligen Innungsobermeister gebräuchlich.

Unter einer Zunfttruhe, Zunftlade oder Amtslade versteht man ein kastenförmiges, durch Beschriftung und Embleme ausgezeichnetes Verwahrmöbel.
Es bewahrte nicht nur wichtige Dokumente und Wertobjekte, sondern spielte auch eine besondere Rolle bei Amtshandlungen und Zeremonien.
In den Zunfttruhen wurden die wichtigsten Dokumente der Zunft sicher aufbewahrt.
Dazu gehörten die von der Obrigkeit gewährten Privilegien, die Zunftbücher mit den Artikeln, Statuten und Namensverzeichnissen, natürlich das Geldvermögen und die Siegelstempel, sicher auch möglichst sonst alles, was zum Wertbesitz der Zunft gehörte, wie Becher, Pokale (Willkomme) und Schenkkannen aus Zinn oder Silber.

Zunftladen spielten auch eine bedeutsame Rolle im Zunftrecht und Brauchtum.
Wegen dieser besonderen Stellung wurden sie möglichst aufwendig gestaltet.
Die Laden wurden aus höherwertigen Hölzern angefertigt, waren mit Schnitzereien oder Marketerien versehen, doch mussten sich ärmere Zünfte und Bruderschaften oft mit bemalten Weichholztruhen begnügen.
Selten fehlt in der Dekoration das Zunftwappen.

Zum Schutz vor Veruntreuung hatten mehrere Meister je einen Schlüssel, nur gemeinsam konnten sie die mehrfach gesicherte Lade öffnen.
Da die offene Lade im Zeremoniell von großer Bedeutung war, wurden oft auch die Deckelinnenseiten verziert und gestaltet.

Eine ganz besondere Funktion nahm die Zunftlade bei den Versammlungen der Zünfte ein, denn diese behandelten alle wichtigen Angelegenheiten der Gemeinschaft und fungierten so als wichtigstes Organ der Zünfte.
Bei den Zunftversammlungen, bei denen eine bestimmte Sitzordnung vorherrschte, wurde zu Beginn der Sitzung die aus dem Haus des Zunftvorstandes herbeigeschaffte Zunftlade in feierlichem Zeremoniell geöffnet.
Bei besonderen Anlässen stand sie zwischen brennenden Kerzen.
Solange die Truhe geöffnet war, musste jeder Trunk unterbleiben, jedes unrechte Wort war streng verboten, ebenso wie Karten- und Würfelspiele, auch mussten die Waffen abgelegt werden.
Sobald die Lade aufgeschlossen wurde, hatte die Sitzung „Kraft und Macht“, das Schließen der Lade bedeutete Unterbrechung oder Abschluss der rechtskräftigen Sitzung.
Bei geöffneter Lade wurden alle wesentlichen Angelegenheiten der Zunft behandelt.
Vor ihr wurde der Lehrjunge losgesprochen, der Geselle zum Meister gemacht und Streitigkeiten geschlichtet.

Die Zunftlade wurde gewöhnlich im Haus des Zunftmeisters oder im Zunfthaus aufbewahrt.
Wenn die Zunftlade im Haus des Zunftmeisters aufbewahrt wurde, musste diese nach jeder Installierung eines neuen Zunftmeisters in dessen Haus getragen werden.

Diesen Ritus nannte man „Ladumtragen“.

Die letzte bekannte Tischlerlade im Kreis Görlitz kam während des zweiten Weltkrieges in das Görlitzer Ratsarchiv.
Daher war unsere Tischler-Innung Kreis Görlitz nun gefordert, sich eine neue Lade zu geben, um die Tradition nicht abreißen zu lassen.
Die neue Lade haben wir nach historischen Ansichten gefertigt.

Die neue Lade ist aus Nussbaum und innen mit Ahorn ausgeschlagen.
Tischlermeister Ulrich Lerch aus Herrnhut fertigte unsere Lade an.
Das Material dafür schenkte uns unser freundschaftlicher Partner EVG Ostsächsische Meisterbetriebe des Holzhandwerks eG.

An dieser Stelle nochmals unser herzlichster Dank im Namen der Mitglieder der Tischler-Innung Kreis Görlitz.

Die Lade ist ein Zeichen der Gemeinschaft, ihre Weihe gilt vor allem den Menschen, die sich zusammengeschlossen haben, weil sie ein gemeinsames Anliegen verbindet.

Die Innungen sind freiwillige Zusammenschlüsse von selbständigen Handwerks- und Handelsunternehmen zur Förderung ihrer gemeinsamen Interessen.

Durch die Kreisgebietsreform 2008 wurde aus der Tischler-Innung Görlitz-Niesky-Weißwasser und der Tischler-Innung Löbau-Zittau die jetzt bestehende Tischler-Innung Kreis Görlitz.
Unsere Tischler-Innung Kreis Görlitz besteht in ihrer jetzigen Zusammensetzung und ihrem aktuellen Einzugsgebiet seit dem 01. Januar 2009.
Ihr gehören 80 Unternehmen an.

Historische Unterlagen über die Gründung von Tischler-Innungen in unserer Region sind durch uns nicht gefunden worden – trotz umfangreicher Recherchen in den letzten Jahren.
Daraufhin beschloss der Vorstand, eine Innungslade anfertigen zu lassen.

Möge unsere Innungslade ein Symbol der Verbundenheit darstellen und den Zusammenhalt von Innungsmitgliedern, Meistern und Gesellen sowie unseren Lehrlingen und den Lehrkräften der Berufsschule stärken.

„Achte das ehrbare Handwerk“

Dieser Leitspruch soll uns zu Gemeinschaft, Toleranz, Solidarität und Frieden aufrufen – in unseren persönlichen Beziehungen, in unseren Beziehungen unter Berufskollegen aber auch unter Mitbewerbern.

Trotz der schnelllebigen Zeit wollen wir die Traditionen im Handwerk pflegen, als Maßstab sehen und an unsere Jugend weitergeben.

Denn die Tugenden Disziplin, Ordnung, Achtung und aufgeschlossen sein gegenüber Neuem werden immer Grundmerkmale des Handwerks sein und bleiben.

Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, diese Stunde im Gedächtnis zu behalten und weiter zutragen an die nachkommenden Geschlechter.

Weihspruch

Du liebe Lade, die ich hiermit vor der Öffentlichkeit der Tischler-Innung Kreis Görlitz übergebe, begleite uns bei allen Anlässen.

Möge unser Wahlspruch „Achte das ehrbare Handwerk“ hiermit in Erfüllung gehen.
Kommenden Geschlechtern möge dieser Tag durch Dich in Erinnerung gehalten werden.

Zeige Du das Symbol unseres Handwerks, das in Dir verankert ist.

Als äußeres Zeichen der Weihe lege ich meine rechte Hand auf Dein Holz.

Möge hiermit unser aller Wunsch

„Ehre, deutsches Volk, und hüte treulich deinen Handwerksstand, als das deutsche Handwerk blühte, blühte auch das deutsche Land“

stets be- und geachtet werden.

Möge sie Schutzschild für uns, unsere Tischler-Innung Kreis Görlitz und unser Gewerk sein.

 

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